Jack Kevorkian – Hintergrund

Der Arzt Jack Kevorkian, gern von den Medien als „Dr. Death“ betitelt, war ein Verfechter aktiver Sterbehilfe. 83jährig ist er am Freitag in Michigan verstorben – vermutlich an einem Blutgerinnsel.

Über 130 Menschen war er behilflich, in einen selbst gewünschten Tod zu gehen. Erst ein Video, auf dem zu sehen ist, wie er einen tödlichen Cocktail injiziert, brachte ihn ins Gefängnis.

Schon als Pathologe machte er auf sich aufmerksam. Damals vertrat er die Idee, Schwerverbrecher ohne Organschädigung zu Tode zu bringen, damit sie ihre Organe spenden könnten. Später eine Vorlage für manche Filme, in denen nach einer Organtransplantation Wesensmerkmale des Verbrechers auf den Empfänger übergehen oder dieser auf anderem Wege Einfluss gewinnt. Der vielleicht bekannteste mag „Der Chaoten Cop“ (Heart Condition) mit Denzel Washington und Bob Hoskins sein.

Das Thema Sterbehilfe wird auch in den USA heftig diskutiert. In der Bevölkerung überwiegt die ablehnende Haltung nur leicht. Die aktive Sterbehilfe (der Arzt verabreicht das Gift) ist flächendeckend in allen Bundesstaaten verboten. Die Selbsttötung im Rahmen ärztlicher Begleitung und Unterstützung ist in drei Bundesstaaten zugelassen – allerdings mit strengen Auflagen verbunden. Oregon machte 1997 den Anfang und blieb lange Zeit der einzige Bundesstaat, der eine Regelung geschaffen hatte. Washington folgte 2008 und seit 2009 hat auch der Bundesstaat Montana eine entsprechende Regelung.

Die Statistiken aus Oregon weisen seit Einführung des Gesetzes einen leichten aber stetigen Anstieg der Sterbefälle unter ärztlicher Beteiliugung aus.

Aufzufinden unter:
http://public.health.oregon.gov/ProviderPartnerResources/EvaluationResearch/DeathwithDignityAct/Pages/ar-index.aspx

Hier die entsprechende PDF-Datei aus dem Jahr 2010

Auch einen Film gibt es, in dem Al Pacino die Rolle von Jack Kevorkian spielt:
Hier der entsprechende Trailer

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2 Responses to Jack Kevorkian – Hintergrund

  1. Vivien says:

    Ich denke, dass Leben ein (wunderbares und schützenswertes) Recht ist aber keine Pflicht.

    Wer z.B. seit Jahren bewegungsunfähig nur die weiße Zimmerdecke über sich sieht, dazu vielleicht noch starke Schmerzen hat, der sollte das gleiche Recht haben wie jeder bewegungsfähige Mensch auch: zu entscheiden, was er ertragen kann und was nicht.

    Das gleiche Recht würde ich Menschen mit progressiven Erkrankungen nicht verwehren wollen, die ihrem unendlich qualvollen Tod über Jahre ins Auge blicken.

    Ich habe in den Niederlanden studiert und gearbeitet (im Gesundheitswesen). Dort ist aktive Sterbehilfe ein völlig normales Mittel, was zur ärztlichen Fürsorgepflicht gehört (natürlich auch nur mit diversen Gegenchecks und vielen bürokratischen Schritten vorher).
    Ich habe dort eine Patientin erlebt, die seit 15 Jahren wegen ihrer MS gelähmt und blind war. Es war klar, dass sie ersticken würde. Seit langem war mit Ärzten und Familie abgesprochen, dass sie irgendwann in Würde abtreten möchte, dass sie selber entscheiden will, wann es genug ist – und wer außer ihr kann sich anmaßen zu entscheiden, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist ?

    In Deutschland vermisse ich hier – wie auch auf vielen anderen Gebieten – den gesunden Menschenverstand.

    Vivien

  2. Meik Conrad says:

    Eine sehr einleuchtende Haltung. Ich empfinde auch ein allgemeingültiges Recht eines Menschen über sein Leben zu entscheiden. Für mich ist das eng verbunden mit dem Begriff der Würde. Neu und sehr zutreffend habe ich empfunden, dass keinem Menschen Rechte verlorengehen oder zugesprochen werden können, weil seine körperliche Verfassung unterschiedliche Möglichkeiten des Handelns beinhalten. Ein gutes Argument.

    Nicht immer entscheiden allerdings Argumente. Bei dem Thema spielen häufig religiöse Vorstellungen eine Rolle. Nicht nur für Menschen, die selbst eine Entscheidung suchen, sondern auch für Angehörige kann es in einem Umfeld schwer werden, das schlicht darauf beharrt, dass eine Selbsttötung der gerade Weg in die Hölle ist. Wenige kommen wohl auf den Gedanken, dass der Lebenserhalt mit heutigen medizinischen Möglichkeiten und die Ablehnung eines solchen Schrittes, letztlich einer modernen Form der Folter gleichkommt. Das sollte bei ablehnenden Grundhaltungen bedacht werden. Selbst wer an den obersten Richter glaubt, sollte diesem die Entscheidung überlassen und nicht aus eigener Sicht über andere urteilen – denke ich.

    Schwierig werden Fälle, in denen kein schriftlicher Wille vorliegt und eine Krankheit zur geistigen Umnachtung führt. Bei einem Freitod, der mit Lebensumständen oder einer psychischen Erkrankung zu tun hat, würde sich eine Gesellschaft berechtigt fragen, ob sie alles getan hat, um eine solche Situation zu begleiten und erträglicher zu machen. In diese Richtung gehen auch die Selbstvorwürfe von Angehörigen – manchmal schon angefangen mit der Frage, warum vorher nichts aufgefallen ist. Das bleibt für ein nahestehendes soziales Umfeld oft schwer zu begreifen und zu akzeptieren.

    Mir scheint sehr wichtig, dass eine Akzeptanz des freien Willens und auch der Entscheidung zum Freitod, nicht bedeutet, dass Menschen keine Verantwortung füreinander haben. Mir gefällt der Grundsatz, dass Ärzte einer Fürsorgepflicht nachzukommen haben und diese im Einzelfall etwas anderes bedeuten kann, als Leben unter allen Umständen zu erhalten. Dem Wohl eines Menschen kann eben auch besser gedient sein, wenn eine Änderung nicht mehr absehbar ist („austerapiert“) und er von Qualen erlöst wird – und eine entsprechende, längerfristige Willensäußerung vorliegt. Eine Fürsorgepflicht betrifft allerdings nicht nur Ärzte, sondern sollte ein allgemeines Gut des menschlichen Miteinander sein. Da fehlt es unter Umständen, bei Vereinzelungen und manchmal selbst gewählter Isolation, an Brücken und Aufmerksamkeiten.

    Mit freundlichem Gruß
    Meik Conrad

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