Nokan – Die Kunst des Ausklangs

Termin: ARD – 26.11.2012 – 00:35 – 02:38 – (123 Min.)


Eine andere Kultur des Lebens.
Eine andere Kultur Abschied zu nehmen.

Nokan – Die Kunst des Ausklangs

Masahiro Motoki

  neu EUR 9,99

Information

Der Film beginnt mit einer Krise, wie sie heutzutage von vielen Menschen irgendwann in ihrem Leben erfahren wird. Daigo, dessen Geschichte in "Nokan" erzählt wird, verliert seine Stellung als Cellist, weil sein Orchester aufgelöst wird. Sein Leben verändert sich dadurch grundlegend und verliert den Boden, auf den er vertraut und in den er Zeit, Mühe und Geld investiert hat. Für einen leidenschaftlichen Musiker ein schwerer Schlag.

Der Zuschauer, der dieser Handlung folgt, weiß vermutlich um das Thema des Filmes. Naheliegend ist deshalb die gedankliche Verbindung zwischen diesem Umbruch im Leben von Daigo und dem Abschied von einem lieben Menschen. Das Leben fühlt sich plötzlich anders an, wirft uns aus der Bahn und mitunter entstehen radikale Änderungen. Wir glauben uns nicht mehr auszukennen. In einer folgenden Zeit müssen wir uns neu orientieren. Halt und Sicherheit gehen verloren. Wohin und wie es nun weitergehen soll, scheint ungewiss.

Daigo indess trennt sich leichter von seinem neu erworbenen Cello, als er dachte. Er sucht seine Wurzeln auf, als er mit seiner Frau in seinen Heimatort zurückkehrt und in ein Haus zieht, das ihm seine Mutter hinterlassen hat.

So bildlich, wie dieser Anfang der Geschichte verstanden werden kann, so passend ist die Beschreibung einer beruflichen Tätigkeit, für die er sich interessiert. Er ahnt nicht, was auf ihn als "Reisebegleiter" zukommt. Das lukrative Angebot eines Bestatters, nimmt er dennoch an.

Fortan wird der kulturelle Hintergrund bedeutsamer. Gerade für einen Zuschauer, der die japanischen Riten und Zermonien nicht kennt, entsteht nun eine Spannung und filmische Erfahrungswelt, die vieles verdeutlicht und anregen kann. Während sich die Augen schließen und eine letzte Reise beginnt, werden dem Zuschauer die Augen geöffnet und ihm etwas näher gebracht, das viele scheuen und die Berührung meiden, wenn sie nicht gerade selbst betroffen sind.

In angenehmen Bildern, oft untermalt von einer passenden Musik, wird sehr natürlich und lebensnah die Handlung geführt und der Zuschauer angesprochen, ohne ihn zu überfordern. Die sichere Distanz zur Leinwand und die offenbaren Kulturunterschiede erlauben in den folgenden Minuten eine Nähe und Offenheit für das Thema, die vieles anzuregen vermag.

Wie hilfreich und ja, sogar schön der ritualisierte Abschied von einem Menschen sein kann, wird zum Beispiel spürbar, wenn Angehörige einer bis in den letzten Handgriff festgelegten Totenwaschung beiwohnen. Hier geht es nicht um einen Arbeitsprozess, sondern um eine ganz eigene Kunst, in Würde und mit Ruhe, den Verstorbenen noch einmal zu ehren. Ein Zermoniell, das nicht einfach etwas hinter sich bringen will, sondern sich im Gegenteil noch einmal ganz einlässt und mit Sorgfalt, Achtung und einer gewissen Hingabe die Gefühle aufzunehmen, vielleicht auch einfach zuzulassen ermöglicht. In sanfter Art entsteht ein Raum für die Liebe und Zuneigung, für die gemeinsame Verbundenheit. Was geschehen ist, bekommt eine Zeit des Begreifens. Das letzte Bild des Toten gewinnt für Angehörige an Frieden.

Der Film zeigt aber nicht nur das. Er zeigt auch die geringe Akzeptanz dieses Berufes in Japan und wie sich seine Arbeit im Verborgenen bewegt. Auch die Frau von Daigo muss erst den Weg gehen, von völliger Ablehnung des Berufstandes zu einem Erkennen zu finden, das solche Tätigkeit einen hohen und ehrbaren Wert hat.

Deshalb fehlt es nicht an ehelichen Auseinandersetzungen, aber auch nicht an heitern und leichten Szenen. So wie sich Daigo verändert, eigene Zweifel überwinden lernt und auch endlich einen Weg mit seinem eigenen Vater findet,  bewegt sich im Verlauf von gut zwei Stunden vielleicht auch etwas beim Zuschauer.

Die Umstände, in denen der Tod stattfindet, können problematischer sein als der Tod selbst. Das könnte uns der Film zumindest nahelegen.
 



Der Trailer zum Film:
http://www.youtube.com/watch?v=sGaU0k9fNJU

Die sehr schöne Titelmusik:

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